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Der antiautoritäre Garten

 

"Ein alter Garten ist immer beseelt. Der seelenloseste Garten braucht nur zu verwildern, um sich zu beseelen." (Hugo von Hofmannsthal)

 

Auf das Ruprechtskraut ist Verlass. Wenn alle anderen Pflanzen noch Winterschlaf halten, grünt das Ruprechtskraut schon munter vor sich hin. Genau wie die Vogelmiere oder das Schaumkraut, ganz zu schweigen von den Golderdbeeren oder dem mysteriösen Kohlrabi. Nichts von alledem habe ich je angesät. Und keine dieser Pflanzen verlangt auch nur die geringste Pflege oder Aufmerksamkeit und trotzdem gedeihen sie und vermehren sich, was sie nicht tun würden, wenn sie sich an ihrem Standort nicht wohl fühlten. Der Buchtitel Der antiautoritäre Garten von Simone Kern (erschienen im Kosmos Verlag) hat mich regelrecht provoziert. Antiautoritär... das tönt nach der totalen Verwilderung im Blumentopf oder im Garten, wo Pflanzen ungehindert durcheinander wuchern dürfen. Das tönt nach Chaos und Unbezähmbarkeit...

 

Das Hauptanliegen der Autorin und Landschaftsarchitektin Simone Kern sind naturnahe Anlagen, in denen Pflanzen und Tiere neue Lebensräume finden. Vorbei sind die Zeiten steriler Gärten, jetzt ist die Zeit für eine Gegenwelt durch farbenprächtige Wildnis im eigenen Garten. Logisch eigentlich, denn wenn wir mit dem Zufall gärtnern, suchen sich diejenigen Pflanzen einen Platz aus, der ihnen die besten Bedingungen in unserem Garten oder auf unserem Balkon bietet. Diese Vagabunden benötigen weder viel Wasser noch grosse Nährstoffvorräte. Trotz Blütenfülle brauchen sie kaum Pflege. Und sie eignen sich für schwierige Gartenbereiche. Alles was wir als Gärtner beisteuern müssen ist Toleranz für das Ungeplante, eine genaue Beobachtungsgabe und wir müssen die Zusammenhänge verstehen lernen.

 

 

Die Neuerscheinung Der antiautoritäre Garten ist in drei grosse Kapitel aufgeteilt:

 

Gärten in Bewegung - vom Winde  verweht. Simone Kern erklärt uns hier ihre Philosophie rund um einen schönen, ökologisch wertvollen und zeitsparenden Garten und wie bereichernd Interaktion, Sehen und Erkennen (statt aktivem Tun!) mit der Wildnis vor der Haustüre sind. 

 

Gestaltungsideen & Pflanzkombinationen. In diesem ausführlichen Kapitel mit vielen Pflanzenportraits geht es die unterschiedlichen vorgegebenen Situationen wie klassische Staudenbeete, sonnige Sitzplätze und Terrassen, Steingarten, Mauern, Kräutergarten, Vorgärten, Dachbegrünungen und welche gestalterischen Kombinationsmöglichkeiten wir mit welchen wilden und gezielt gesetzten Pflanzen haben. 

 

Gartenpraxis - Beetanlage & Pflege. Spätestens hier wird klar, wie wenig ein antiautoritärer Garten mit Chaos zu tun hat, denn auf dem Weg zu einem dynamischen Garten gilt es einige Fragen zu klären: Bestand oder Neuanlage? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Die Autorin stellt uns sechs Methoden zur Umgestaltung vor, unter Berücksichtigung von Lichtverhältnissen, Wasserversorgung und Bodenbeschaffenheit. Bepflanzungsvarianten, Pflege der Saat und Pflanzflächen sowie alle Arbeiten im Jahresverlauf runden dieses interessante Kapitel ab. 

 

Mein Fazit: Der antiautoritäre Garten ist durchgehend wunderschön bebildert und teilweise illustriert, viele nützliche Tabellen bereichern das Buch zusätzlich und somit eignet es sich nicht nur als Nachschlagewerk sondern bietet schier unendlich viele Inspirationen. Beim Lesen  wird sofort klar, dass das Gärtnern mit Hilfe des Zufalls nicht nur farbenprächtige und ökologisch sinnvolle Resultate bringt, sondern auch noch mit einer mittel- bis langfristigen Pflegeleichtigkeit und Wasserersparnis einhergeht. Meiner Meinung nach hat Simone Kern ein Standardwerk für den Garten der Zukunft geschaffen und ich kann euch dieses schöne, informative und unterhaltsame Buch aus Überzeugung ans Herz legen! 

 

Autorin: Simone Kern

Titel: Der antiautoritäre Garten

Verlag: Kosmos

ISBN: 978-3-440-16218-7

Preis: CHF 29.90

 

An dieser Stelle möchte ich mich beim Kosmos Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken! 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Topfgartenwelt (Mittwoch, 17 April 2019 22:53)

    Liebe Arletta, so jetzt sind wir wieder im Lande und gleich auf Deinem Blog vorbeigehuscht. Eine tolle Buchvorstellung! Aber Schaumkraut kann ganz schön lästig werden. Ich habe es immer zu Hauf im Garten und weiß oft gar nicht wo ich anfangen sollte, es auszuzupfen. Dennoch klingt antiautoritär sehr gut. Je weniger man sich um alles kümmern muss, umso besser.

    LG Kathrin

  • #2

    Lettifarmblog (Donnerstag, 18 April 2019 13:19)

    Herzlichen Dank, liebe Kathrin, dass du bei mir vorbeigeschaut hast! Freut mich, dass dir die Buchvorstellung gefällt! Schaumkraut scheint sich gerne auszubreiten, in Töpfen ist das ja nicht so das Problem, im Freiland kann ich mir schon vorstellen, dass es zu viel des Schaumkrauts werden kann. Hier ist es - einmal mehr - so, dass Schaumkraut von den Meerschweinchen sehr gerne gefressen wird, sowas ist halt immer praktisch! Mit lieben Grüssen zu dir, Arletta